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B2B-Käufer wollen weniger Reibung, nicht weniger Kompetenz

Der B2B-Kaufprozess wird digitaler. Laut Gartner bevorzugen 67 Prozent der befragten B2B-Käufer grundsätzlich eine Experience ohne Vertriebsmitarbeiter. 45 Prozent gaben an, bei einem kürzlich getätigten Kauf KI genutzt zu haben. Die Befragung umfasste 646 B2B-Käufer und wurde im August und September 2025 durchgeführt.1

Das bedeutet jedoch nicht, dass Beratung verschwindet. Käufer möchten einfache Aufgaben selbst erledigen und Expertise genau dann nutzen, wenn Kontext, Risiko oder interne Abstimmung komplex werden.

Für Hersteller, Großhändler und technische Distributoren entsteht daraus eine klare Aufgabe: Das digitale Angebot muss genug Wissen bereitstellen, damit Kunden selbstständig vorankommen. Gleichzeitig darf der Übergang zu einem fachkundigen Ansprechpartner nicht bei null beginnen.

Zehn Kanäle, aber nur eine Informationsrealität

Die McKinsey Global B2B Pulse Survey 2026 basiert auf knapp 4.000 Entscheidern in 13 Ländern. Käufer nutzen im Durchschnitt zehn Kanäle entlang ihrer Journey. 71 Prozent der befragten B2B-Unternehmen bieten inzwischen E-Commerce an; bei diesen Unternehmen fließt ungefähr ein Drittel des Umsatzes über digitale Kanäle.2

Die Herausforderung liegt damit nicht in einem einzelnen Touchpoint. Sie liegt in der Konsistenz zwischen Website, Shop, Portal, Außendienst, Innendienst, E-Mail, Marktplatz, Produktdokumentation und KI-Assistent.

Wenn der Shop eine Lieferzeit zeigt, das ERP eine andere und der Vertrieb eine dritte nennt, verliert der Kunde Vertrauen. Wenn ein Produkt im Portal nicht gefunden wird, obwohl der Innendienst es sofort über eine interne Bezeichnung erkennt, entsteht unnötige Abhängigkeit von manueller Hilfe.

Online-Präferenz trifft auf reale Frustration

Der B2B Buyer Report 2025 von Sana Commerce und Sapio Research beschreibt genau diese Lücke: 73 Prozent der Befragten kaufen bevorzugt online, 85 Prozent erleben dabei Frustrationen, und 75 Prozent würden zu einem Anbieter mit besserer Online-Kauferfahrung wechseln. Als zentrale Probleme nennt der Report fehlende oder unzuverlässige Informationen zu Produkten, Beständen, Lieferzeiten und Preisen.3

Für B2B-Commerce-Teams ist das ein entscheidender Hinweis. Self-Service scheitert selten daran, dass ein Button fehlt. Er scheitert daran, dass der Kunde eine belastbare Entscheidung nicht vollständig digital treffen kann.

Warum B2B-Suche anspruchsvoller ist als eine Katalogsuche

B2B-Sortimente enthalten häufig technische Produkte, Varianten, kundenspezifische Konditionen und gewachsene Bezeichnungen. Nutzer suchen nicht nur nach Marketingnamen, sondern auch nach Artikelnummern, Normen, Abmessungen, Werkstoffen, früheren Produktcodes oder konkreten Einsatzproblemen.

Eine typische Anfrage könnte lauten:

„Ich brauche einen für den Außenbereich geeigneten Motorschutzschalter für 400 Volt, kurzfristig lieferbar und kompatibel mit unserer bestehenden Baureihe.“

Darin stecken technische Kriterien, Verfügbarkeit, Kompatibilität und ein kundenspezifischer Kontext. Eine reine Volltextsuche kann einzelne Begriffe finden. Eine leistungsfähige Product Discovery muss die Anforderungen strukturieren, passende Attribute prüfen, Synonyme und Produktbeziehungen berücksichtigen und aktuelle Geschäftsdaten einbeziehen.

Vier Ebenen einer belastbaren B2B Product Discovery

  • Produktverständnis: Die Suche verbindet technische Begriffe, Synonyme, frühere Artikelnummern, Einheiten und kompatible Produktfamilien.

  • Echtzeitkontext: Preise, Bestände, Liefertermine, Vertragskonditionen und Freigaben kommen aus den führenden Systemen und werden nicht als statische Kopie behandelt.

  • Kundenspezifische Relevanz: Ein Ergebnis berücksichtigt Branche, Account, bisherige Käufe, freigegebene Sortimente oder regionale Verfügbarkeit, ohne unzulässige Daten offenzulegen.

  • Erklärbare Übergabe: Wenn ein Fall Beratung benötigt, erhält der Vertrieb Suchanfrage, betrachtete Produkte, offene Kriterien und verwendete Quellen – nicht nur ein unkommentiertes Kontaktformular.

KI hilft nur mit einer zuverlässigen Retrieval-Schicht

KI kann technische Fragen in natürliche Sprache übersetzen, Spezifikationen vergleichen und Folgefragen vorschlagen. Sie sollte jedoch nicht aus dem Gedächtnis eines Sprachmodells entscheiden, ob ein Produkt kompatibel, verfügbar oder für einen regulierten Einsatz geeignet ist.

Dafür braucht die Anwendung eine Retrieval-Schicht, die aktuelle und freigegebene Informationen findet. Generierte Antworten sollten relevante Produktdaten und Quellen sichtbar machen. Bei Unsicherheit sollte das System nachfragen oder an einen Experten übergeben, statt eine scheinbar eindeutige Empfehlung zu erfinden.

Gerade im B2B-Kontext ist gute Product Discovery daher ein Zusammenspiel aus klassischer Suche, semantischen Verfahren, strukturierten Filtern, Geschäftsregeln und kontrollierter generativer KI.

Self-Service und Vertrieb sollten dieselbe Wissensbasis nutzen

Viele Unternehmen betreiben zwei getrennte Informationswelten. Kunden sehen den Webshop. Vertriebsmitarbeiter nutzen ERP, CRM, PDFs, Preislisten und persönliches Erfahrungswissen. Diese Trennung erzeugt Medienbrüche und widersprüchliche Aussagen.

Eine gemeinsame Search- und Knowledge-Schicht kann beide Seiten unterstützen. Der Kunde erhält zugängliche Produktinformationen und kann einfache Entscheidungen selbst treffen. Der Vertrieb bekommt bei komplexen Fällen denselben aktuellen Datenstand plus den Kontext der bisherigen Recherche.

So wird Beratung nicht abgeschafft. Sie wird gezielter eingesetzt.

Welche KPIs wirklich zeigen, ob Product Discovery funktioniert

  • Sucherfolgsquote: Anteil der Sessions, in denen Nutzer ein relevantes Produkt, Dokument oder eine passende Aktion erreichen.

  • Search-to-Quote und Search-to-Order: Wie häufig führt eine Suche zu Angebotsanfrage, Warenkorb oder Bestellung?

  • Reformulationsrate: Wie oft müssen Nutzer ihre Anfrage verändern, bevor sie weiterkommen?

  • Nulltreffer und schwache Treffer: Nicht nur echte Nulltreffer, sondern auch Ergebnisse ohne Klick oder mit schnellem Abbruch beobachten.

  • Datenaktualität: Wie alt sind Preis-, Bestands- und Lieferinformationen zum Zeitpunkt der Antwort?

  • Qualität der Übergabe: Kann der Vertrieb nachvollziehen, was der Kunde gesucht, verglichen und noch nicht geklärt hat?

Ein pragmatischer Start in vier Schritten

  • Top-Journeys auswählen: Mit häufigen, wirtschaftlich relevanten und heute besonders frustrierenden Suchaufgaben beginnen.
  • Goldstandard erstellen: Für reale Anfragen definieren, welche Produkte, Dokumente oder nächsten Schritte als hilfreich gelten.

  • Systemgrenzen sichtbar machen: Prüfen, welche Daten aus PIM, ERP, CRM, DAM und Dokumentation benötigt werden und wie aktuell sie sind.

  • Klein testen, wirtschaftlich messen: Suchqualität und Business-KPIs vor und nach der Veränderung vergleichen, statt allein auf die Demo-Wirkung einer KI-Oberfläche zu vertrauen.

Fazit: Die beste B2B Experience verbindet Autonomie und Expertise

B2B-Käufer möchten selbstständig recherchieren, vergleichen und bestellen. Gleichzeitig erwarten sie bei komplexen Entscheidungen belastbare Informationen und kompetente Unterstützung.

Eine moderne B2B Product Discovery löst diesen scheinbaren Widerspruch. Sie macht Produktwissen digital nutzbar, verbindet es mit Echtzeitdaten und übergibt komplexe Fälle mitsamt Kontext an den Vertrieb.

Der strategische Maßstab ist deshalb nicht, wie viele Anfragen vollständig ohne Menschen abgeschlossen werden. Entscheidend ist, wie zuverlässig jeder Kunde den nächsten sinnvollen Schritt erreicht.

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Welche AI Features den digitalen Self-Service verbessern, relevante Ergebnisse liefern und bei komplexen Fragen eine nahtlose Übergabe an den Vertrieb ermöglichen, zeigen wir Ihnen in unserem Überblick zu den AI Features der Quasiris Search Cloud.

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Quellen

1 Gartner. (2026). Gartner sales survey finds 67% of B2B buyers prefer a rep-free experience [Pressemitteilung]. https://www.gartner.com/en/newsroom/press-releases/2026-03-09-gartner-sales-survey-finds-67-percent-of-b2b-buyers-prefer-a-rep-free-experience

2 Lun Plotkin, C., Gonzalez Campuzano, E., Kelly, G., Stanley, J., Reis, S., Freundt, T., & Garcia de la Torre, V. (2026). The surprising economics of B2B growth: The new survival threshold—and what it takes to thrive. McKinsey & Company. https://www.mckinsey.com/capabilities/growth-marketing-and-sales/our-insights/the-surprising-economics-of-b2b-growth-the-new-survival-threshold-and-what-it-takes-to-thrive

3 Sana Commerce & Sapio Research. (2025). B2B buyer report 2025: The untapped power of real-time data. https://www.sana-commerce.com/report/b2b-buyer/